Tag 2 – Sonne, Berge und neue Aufgaben

Ich wurde wieder vor meinem Wecker wach und schrieb noch kurz Tagebuch während ich auf die Anderen wartete. Heute sollte die Tour schon um 9.00 beginnen, deshalb hatten wir uns auf 8.00 zum Frühstück verabredet.

Ulla und Ralf suchen ein Motiv - ich hab meins gefunden

Ulla und Ralf suchen ein Motiv – ich hab meins gefunden

Wir begannen etwas verspätet mit der Abfahrt – es waren ca. 1000 Höhenmeter mit dem Auto zu überwinden. Ich durfte bei Schirin und Alex, den beiden verspätet angereisten Teilnehmern mitfahren. Nach einer kurvenreichen Fahrt und einem etws abenteuerlichen letzten Stück erreichten wir den Parkplatz. Das Wetter sah schon prächtig aus und alle waren guter Dinge im Hinblick auf die zu erwartenden Motive.

Basti erklärte uns noch kurz die Strecke und Ulla die Tagesaufgabe – wir sollten nochmal einen Schwerpunkt auf die Landschaft legen und Menschen in ihrer Umgebung fotografieren. Zusätzlich sollte ein Porträt mit etwas mehr Landschaft im Hintergrund als am vergangenem Tag entstehen.

Marcus sucht auch ein Motiv – hat es aber bequemer

Marcus sucht auch ein Motiv – hat es aber bequemer

Der Aufstieg war kurzweilig und nicht zu anstrengend, vermutlich auch wegen der häufig stattfindenden „Arbeitspausen“ der Fotografen. Die Aussicht war einfach atemberaubend – die Täler lagen unter einen dicken Watteschicht aus Nebel und Wolken, um die Fotografen herum schien die Sonne und es zeigten sich nur wenig kleine Wölkchen.

Die ersten Bilder waren schnell gemacht – natürlich wieder alles auf „M“anuell-Einstellung – was zu mehreren Versuchen pro Bild bei mir führte. Auch die

ersten Motive und Models boten sich regelrecht an. Alles schien „Fotografier mich!“ zu rufen.

Einige Bilder, die auf dem kleinen Display der Kamera zuerst ziemlich fehlbelichtet wirkten, sollten sich später als sehr stimmungsvoll herausstellen.

Glückliche Fotografen am Werk

Glückliche Fotografen am Werk

Mein erstes recht gelungenes Bild entstand an einem griechisch-orthodoxen Doppelkreuz vor einem dicken Wolken- oder Nebelband vor dem sich zusätzlich ein großer Teil unserer Gruppe auf Motivsuche tummelte.

Es wurde professionell posiert und natürlich auch „heimlich“ fotografiert. Auf halbem Weg wurden wir kurz von einem Nebelfeld überholt – sofort änderten sich Stimmung und vor allem Temperatur. Der Nebel verschwand aber ebenso schnell wie er gekommen war. Da entdeckten wir einen Regenbogen – Ulla und Basti hatten wirklich alles bestellt, was ein Fotoshooting in der Natur perfekt macht. Vor diesem Hintergrund entstand auch mein Portrait mit viel Landschaft im Hintergrund.

Basti, der Gott der Berge, mit Corona

Basti, der Gott der Berge, mit Corona

Basti bekam seinen „Heiligenschein“ vor grandioser Kulisse verpasst.
Nach einem etwas steileren Stück betraten wir den ersten Gipfel und wurden von einem kleinen Steinmann empfangen, der sehr bereitwillig für Fotos zur Verfügung stand. Wir setzen uns um das Gipfelkreuz herum und aßen und tranken von unserem Proviant. Auch während des Essens war keiner vor „Paparazzi“ sicher. Zwischendurch musste ich natürlich für die Arbeitskollegen zu hause noch für ein Foto mit kurzen Hosen und T-Shirt auf dem Gipfel posen. Ich hatte es ja förmlich versprochen. Mein schweißnasses Shirt war auch das perfekte Accessoire dafür.

So sieht es aus, wenn man die Leute fotografiert, die sich gerade den Fotografen als Motiv ausgesucht haben und dabei von anderen Fotografen beobachtet werden.

So sieht es aus, wenn man die Leute fotografiert, die sich gerade den Fotografen als Motiv ausgesucht haben und dabei von anderen Fotografen beobachtet werden.

Kurz wurde beraten ob wir unsere Gruppe trennen und ein Teil mit Basti zu einem anderen Gipfel wandern solle – letztendlich entschieden wir uns wegen des schlechter werdenden Wetters dagegen. Es hatte zu nieseln begonnen und die Fernsicht tendierte gegen Null. Wir begannen mit dem Abstieg und entdeckten auf halbem Weg nach unten eine gemütlich wirkende Hütte. Einstimmig entschlossen wir uns zur Einkehr und trafen vorher noch ein besonders süßes Fotomodel. Nachdem wir es fotografiert, mit Fruchtriegel gefüttert und gekrault hatten nahmen wir den längsten Tisch in der Hütte ein und jeder bestellte sich etwas. Die „freundliche“ Kellnerin wurde später von Ralf „alte Eule“ getauft.

Wir hatten viel zu lachen – Basti und Ulla erzählten einige Geschichten von ihren Reisen und unser „Dangerseeker“ Frank kommentierte diese nach dem Motto: „Keine Gefangenen“. Er rüttelte, wie Sarah immer sagte, am Ohrfeigenbäumchen.

Die verdiente Pause - man spürt förmlich die Erschöpfung der Beteiligten

Die verdiente Pause – man spürt förmlich die Erschöpfung der Beteiligten

Als wir den etwas schleppenden Bezahlvorgang abgeschlossen hatten gingen wir mit noch einigen Touristen in Richtung unserer geparkten Autos. Auch das Wetter hatte sich wieder geändert und auf der Rückfahrt gab es noch einen tollen Regenbogen zu sehen.

Zurück an der Pension lud Basti einige Interessierte – die sich, wie er sagte „unterwandert fühlen“ zu einer spontanen Klettertour ein. Sarah, Schirin und Alex folgten ihm während Hans auf dem mitgebrachten Motorrad eine Runde drehen wollte und Ralf sich auf die Suche nach Wellnesoasen machte. Alle anderen wollten duschen und ihre Bilder für die abendliche Präsentation aussortieren. Auch ich bezog mein Zimmer und fing mit der Auswahl an. Außerdem wollte ich gegen 18.30 mit der Familie per Skype in Kontakt treten und Ulla in der Küche helfen. Das sollte sich rächen…

18.15 begann ich mit dem Zwiebel- und Knoblauchschneiden, was auch ohne größere Zwischenfälle beendet werden konnte. Während ich bei sehr schlechter Internetverbindung so meine Probleme mit Skype hatte übernahm Ralf die Küche und half Ulla beim Gemüseschneiden. Nach dem Kontakt mit den Lieben zu hause kehrte ich zu den Küchenhelfern zurück. Ich nahm mit eine Lauchstange mit in meine Küche, ein großes (leider etwas stumpfes und ungewohntes) Messer zur Hand und nach dem dritten oder vierten Ring Lauch musste auch ein viertel meines Zeigefingernagels der rechten Hand dran glauben.

Der Finger – mit Eule

Der Finger – mit Eule

Die Blutung konnte schnell gestillt werden, aber an Küchenarbeit war nicht mehr wirklich zu denken – schließlich hatten wir auch einen Vegetarier in der Gruppe. Ich beschränkte mich auf die musikalische Beschallung der kochenden Gruppe und erledigte das Abtrocknen. So blieben ich und alle anderen vor weiteren Schäden bewahrt.

Das Essen war wieder vorzüglich und der Sekt, das Weizenbier und nicht zuletzt Bastis „böser“ Schnaps aus Schwaben ließen  mich den schmerzenden Finger schnell vergessen. Nach dem Essen wurden die Bilder präsentiert und Ulla kommentierte diese. Auch alle anderen Teilnehmer halfen mit ihren Hinweisen etwaige Fehler in den Bildern zu finden. Wieder viel gelernt.

Alex wird von mir und Ralf bei seiner Arbeit abgelichtet - ein Teil der Tagesaufgabe

Alex wird von mir und Ralf bei seiner Arbeit abgelichtet – ein Teil der Tagesaufgabe

Zum Abschluss des Tages zeigte uns Ulla noch ihren normalen Arbeitsablauf beim bewerten und zusammenstellen der Bilder für eine Reportage und bereitete uns in „epischer Kürze“ (Zitat Ralf) für die neue Tagesaufgabe vor. Wir sollten eine kleine Bilderserie für eine Reportage aufnehmen während wir Klettern von Basti lernen. Mir fiel mein Finger wieder ein und ich war sehr gespannt, ob das ein untrainierter Mittelgebirgsvorländer auch mit neun Fingern bewältigen würde.

Ein langer Tag ging zu Ende und wir wünschten uns allen eine gute Nacht – Treffzeit sollte wieder 9 Uhr am Mittwoch sein.

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