Anreise – Abenteuer Deutsche Bahn

Nach einer relativ kurzen Nacht – möglicherweise war ich doch mehr aufgeregt als ich dachte – startete ich nach einem gemeinsamen Frühstück mit meiner Familie kurz nach neun Uhr morgens in Richtung Bahnhof in Reichenbach.

Die Regionalbahn in Richtung Nürnberg war überraschend pünktlich und ich bekam sogar auf Anhieb mit meinem furchtbar schweren Koffer einen Sitzplatz. Bei der Kontrolleurin meiner Fahrkarte fragte ich zuerst besorgt was mit der Zugbindung passiert, wenn wir wegen einer Verspätung einen Anschlusszug nicht erreichen könnten.

„Lassen Sie sich die Verspätung bestätigen und die Zugbindung erlischt.“

war die Antwort.

Das lies mich erst einmal wesentlich ruhiger werden. Außerdem hatte ich ja noch die Telefonnummern von Ralf, Frank und Michael, die in dieselbe Richtung mit dem Auto unterwegs waren. Sie waren sozusagen meine Reiseversicherung. Die weitere Fahrt verlief ruhig mit angenehmer Musik und einem guten Buch und wir erreichten pünktlich Nürnberg.

Am Bahnhof Nürnberg wartete ich mit einer großen Gruppe „St. Pauli“-Fans  auf den ICE nach München. Auf dieser Strecke hatte ich schon mehrfach, bei Fahrten zu Kursen in München, mit Verspätungen leben müssen. Die erste Durchsage bestätigte meine Befürchtungen:

„Der ICE 1561 in Richtung München, planmäßige Abfahrt um 12.27 hat heute ca. 10 Minuten Verspätung. Grund dafür sind Bauarbeiten.“

schallte es von einer elektronischen Stimme gesprochen aus den Lautsprechern.

Ich rechnete kurz nach: „12.51 sollten wir München erreichen und ich sollte Anschluss um 12.35 haben. Das macht dann immer noch einen Puffer von einer guten halben Stunde. Soweit okay – keine Gefahr.“ beruhigte ich mich. Die Fußballfans waren schon etwas nervöser, denn sie würden nun 15 Minuten vor Anpfiff den Bahnhof in Ingolstadt erreichen und müssten noch mit dem Bus ins Stadion fahren. Nach zwei weiteren Durchsagen und einer letztendlichen Verspätung von ca. 18 Minuten stand ich endlich im ICE nach München.

Der geliehene Koffer erwies sich als ICE-untauglich, da er ca. 3cm zu breit war, um durch die Gänge gerollt zu werden. Da ich einen Platz reserviert hatte, kämpfte ich mich zu diesem vor und musste dabei einige der St. Pauli-Anhäger bitten, mich durchzulassen. Diese erwiesen sich als sehr freundlich und wollten mir sogar helfen, den Koffer über den Köpfen der Leute an einen freien Platz zu heben. Diesen Plan setzten wir aber wegen des unglaublichen Gewichtes meines Koffers nicht in die Tat um. Was hatte ich eigentlich eingepackt? Goldbarren waren es ja nicht, aber es fühlte sich irgendwie so an.

In München erreichte ich meinen Bahnsteig pünktlich und damit auch den Zug in Richtung Rosenheim, meiner nächsten Umsteigestation auf der Reise. Dieser Zug fuhr auch pünktlich ab, die weitere Fahrt verlief mit Sitzplatz ohne Probleme und ich kam nach knapp 35 Minuten in Rosenheim an. „Warum sind eigentlich immer die ‚Bummelzüge‘ pünktlich und die richtig teuren ICE’s ständig zu spät“ dachte ich mir und stieg in den Zug nach Kufstein, der natürlich auch zur angegebenen Zeit abfuhr und Kufstein wie ausgedruckt erreichte.

Mein letzter Zug in der Liste der Zugbindung fuhr planmäßig vom gegenüberliegenden Bahnhof weiter nach Innsbruck.

Flugzeug startet in Innsbruck

Flugzeug startet in Innsbruck

Am Bahnhof Innsbruck erlebte ich eine kleine Überraschung beim Kauf der Fahrkarte in Richtung Vipiteno und zurück. Anders als im Internet angegeben sollte die Karte nicht 7,80 € für eine Strecke kosten sondern 20 €. Auf meinen Hinweis auf die Auskunft im Netz erklärte man mir, das sei der Tarif bis zum Bhf. Brenner. Das Internet lügt, da sieht man es mal wieder. Ich kaufte die Karte und schrieb eine SMS an Basti mit meiner Ankunftszeit in Sterzing (Vipiteno). Er wollte mich dort am Bahnhof abholen. Am meisten hat mich die Kulisse am Bahnhof Ingolstadt beeindruckt – komplett von riesigen Bergen umringt bot sich mir eine tolle Kulisse. Zwar war das Wetter nicht unbedingt toll für Fotos aber ich versuchte doch meine Eindrücke auf die Schnelle festzuhalten. Sogar ein Flugzeug im An- oder Abflug auf Ingolstadt bekam ich zu Gesicht und konnte einen Schnappschuss davon anfertigen.

Die Schanze in Innsbruck - aus dem Zug heraus

Die Schanze in Innsbruck – aus dem Zug heraus

Blick auf die Landschaft mit Brenner-Autobahn

Blick auf die Landschaft mit Brenner-Autobahn

Das Panorama auf der weiteren Reise in Richtung Italien ist wunderschön. Ich versuchte, einige Fotos aus dem fahrenden Zug heraus zu schießen und habe natürlich etliche Masten fotografiert, die wie aus dem Nichts vor meinen Motiven auftauchten. Zu meiner Schande muss ich auch gestehen, den Apparat auf halbautomatische Einstellungen gedreht zu haben – also Sportprogramm bzw. Stellung (A).

Nach dem Bahnhof Brennero/Brenner fuhren wir gefühlte 15km durch einen Tunnel und nach Verlassen des Tunnels war das Wetter etwas schlechter geworden – Nebel und Niesel und einsetzende Dunkelheit behinderten die Absichten des Fotografen.

Der Beweis - Foto vom Bahnhof Brenner

Der Beweis – Foto vom Bahnhof Brenner

In Sterzing erwartete mich Basti schon – mir fiel ein weiterer Stein vom Herzen, das Ziel war erreicht. Wir fuhren in die Pension, die für die nächsten Tage mein zuhause sein sollte. Christel die Wirtin empfing mich freundlich und zeigte mir mein Zimmer – also meine Wohnung trifft es eher. Ein Wohnraum mit Tisch, 4 Stühlen, einer Couch und einem kleinen Fernseher werden von einem kleinen Bad mit Toilette und Dusche, einem riesigen Schlafzimmer mit Doppelbett und sogar einer kleinen Küche mit Kühlschrank und Herd ergänzt. Wirklich eine tolle Unterkunft.

Ich erkundigte mich nach dem Verbleib der anderen Fotografen und wurde von Basti zu einer kleinen Wirtschaft geführt, wo ich 3 der 5 bereits Angereisten vorfand. Sie  hatten ihr Essen schon eingenommen und waren beim „Nachtisch“. Ich wurde freundlich aufgenommen, bestellte mir einen Teller Eier mit Speck und ein Bierchen und war froh, das die Reise ein so erfolgreiches Ende genommen hatte. Ich war also angekommen – nach einer über 2 Jahre andauernden Vorfreude auf diesen Workshop hatte ich Stange erreicht …

Nach unserem Abendessen und ersten Kennenlernen erreichten Frank, Ralf, Michael und ich unsere Pension gegen 21 Uhr und verabredeten uns zum Frühstück gegen 8.30 am anderen Morgen. Ich begann meinen Koffer auszupacken und fand einige „Gewichte“, die den Koffer so schwer gemacht hatten. Einerseits waren da die Energieriegel und die Nüsse für die Tagestouren. Dann natürlich das Koch- und das Backbuch und die Flasche Medizin – ein halber Liter bester „Reichenbacher Grünbitter“, die ich als Gastgeschenke dabei hatte. Also würde der Koffer auf der Heimreise schon um einiges leichter sein. Nach ausräumen des Koffers und ein wenig zappen durch die Programme im TV legte ich mich gegen 22 Uhr zu Bett und stellte den Wecker auf 7 Uhr am Morgen.

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